Reden im Landtag
28.08.2013, 15:00 Uhr | Hannover
 
Leistungsniveau an niedersächsischen Schulen erhalten - Leistung muss sich weiter lohnen
Antrag der Fraktion der CDU - Drs. 17/270 - Beschlussempfehlung des Kultusausschusses - Drs. 17/436
Hannover -
Unser Antrag war die notwendige Reaktion auf spektakuläre Ankündigungen der ehemals neuen Landesregierung - wir sprachen schon darüber -, wie die Abschaffung des Sitzenbleibens, der Abschulung, der Noten in der Grundschule und der Schullaufbahnempfehlung. Das war ein medialer Aufschlag. Passiert ist hinterher nichts. - Das Kultusressort teilt dieses Schicksal mit anderen. - Ich habe in der Diskussion sogar schon einige Teilrückzieher vernommen, wie: Sitzenbleiben, wo es sinnvoll ist. - Aha, es kann wohl sinnvoll sein. Und: Schullaufbahnempfehlung in abgewandelter Form. - Also vielleicht doch.

Was wir wollen, ist klar. Der Antrag sagt es in der Überschrift: Wir wollen das Leistungsniveau an niedersächsischen Schulen erhalten. Leistung muss sich weiter lohnen. Nur vor diesem Hintergrund sehen wir die Instrumentarien, um die es geht, als notwendig an und wollen sie fortentwi-ckeln. Deshalb dürfen wir Leistungsstandards nicht absenken. Schulabschlüsse müssen ihren Wert behalten, und jeder Absolvent - das sind wir den Absolventen schuldig - muss sich darauf verlassen können, dass er auch den Anforderungen gewachsen ist, zu deren Erfüllung ihn sein Abschluss berechtigt. Der Preis für mehr Abiturienten, die wir ja auch wollen, darf also nicht sein, dass das Niveau sinkt. Dazu müssen wir Leistungsbereitschaft fördern, was aber nur funktioniert, wenn jeder Schüler auch die Erfahrung machen darf, dass sich Leistung lohnt.
Ein bewährtes Instrument zur Messung sind Noten. Sie geben Schülern nicht nur eine Rückmeldung über ihr Können, sondern sie sind auch - das ist wichtig - eindeutiger als ein Text, und auch der Lehrer muss sich bei seiner Bewertung eindeutig festlegen. Lernentwicklungsberichte und Lernsachstandsberichte sind sinnvoll - das sei ausdrücklich gesagt -, aber kein Ersatz für Noten.

Wir spielen sie deshalb nicht gegeneinander aus. Am besten sind natürlich Noten, die auch erläutert werden.

Noten sollten wir auch nicht als Angstmacher verteufeln. Wir wissen doch alle: Kinder wollen sich vergleichen, wollen sich messen, ob im Spiel, im Sport oder in der Schule. Jeder hat die Erinnerung: Eine gute Zeit beim Laufen, eine Eins in der Rechenarbeit - das sind wirkliche Erfolgserlebnisse.

Selbst nach einem Sitzenbleiben ist das bessere Mithalten-Können in der neuen Klasse eine wichtige Bestätigung. Und ich finde, der, der es nach einem Sitzenbleiben lernen muss, lernt schon hier: Nach Niederlagen geht es wieder bergauf, auch wenn das manchmal anstrengend ist.
Um gleich Missverständnissen vorzubeugen - ich nehme an, das Wort verdrehen will mir keiner -: Wir plädieren nicht für das Sitzenbleiben, sind aber gegen seine Abschaffung.

Es ist ja immerhin das Eingeständnis, dass die Leistungen insgesamt zu gering waren. Selbstverständlich - auch das betone ich, damit wir hier nicht falsche Fronten aufbauen - ist es das vorrangige Ziel, woran sich jeder Lehrer, jede Lehrerin ohnehin hält, alle Schüler so zu fördern, dass möglichst niemand sitzen bleibt. Aber das klappt eben nicht in 100 % der Fälle.

Sitzenbleiben ist also immer nur - das soll es auch bleiben - Ultima Ratio, praktisch eine Art Nothebel, der, verantwortungsbewusst begleitet - das sage ich auch dazu -, ein sinnvolles pädagogisches Mittel sein kann. Denn am Ende steht - ich nehme den Gedanken wieder auf - die Erkenntnis: Es gibt Misserfolge im Leben, aber keiner ist endgültig. Auch diese Erfahrung macht stark.

Wenn Sie nun behaupten, was man immer wieder hört, Sitzenbleiben sei zu teuer, kontraproduktiv, ineffizient, und wenn Sie die individuelle Förderung dagegen ausspielen, dann frage ich Sie umgekehrt: Ist diese etwa billiger, effizienter, produktiver? Wie soll sie überhaupt aussehen? Erhält jeder schwache Schüler eine Art Einzelnachhilfe? Das kann eigentlich nicht sein. In jeder Klasse eine individuelle Förderung? In wie vielen Fächern dann? Wir müssten ja dann praktisch alle Fächer nehmen. Fassen Sie dann immer die Schwachen einer Klasse zusammen? Ist das dann eine Art Gruppen-förderung, oder gilt das als individuelle Förderung? - Es wird eines deutlich: Sie sagen überhaupt nicht, was Sie eigentlich wollen. Zu fragen ist: Wie soll das geschehen? Wer soll das machen? Was soll das kosten? Am besten wäre es, Sie sagten auch noch dazu: Wer soll das bezahlen?

Konzepte der Regierung gibt es jedenfalls auch nach sieben Monaten noch nicht, stattdessen immer wieder Vorwürfe gegenüber der Opposition. Sie sprechen etwa von der Abschulung. Ich finde, das ist pädagogisch ein absolutes Unwort. Wenn einer vom Gymnasium zur Realschule oder zur Oberschule geht, nennen Sie das Abschulung. Da muss ich einmal umgekehrt fragen: Steht das Gymnasium eigentlich für Sie oben, und alles andere steht darunter? Geht es für den, der das Gymnasium verlässt, zwangsläufig bergab? Da stellt sich die Frage: Was für einen Begriff von Bildung haben Sie eigentlich?

Auch gegen die Schullaufbahnempfehlung ziehen Sie zu Felde. Sie ist nach wie vor eine gute Orientierung für Eltern. Sie ist verantwortungsbewusst ausgesprochen von Lehrerinnen und Lehrern und engt in der Entscheidung nicht ein. Also ist es sinnvoll, sie zu behalten. Ich hoffe, dass wir gemeinsam insoweit vorankommen. Von Ihnen als Regierung fehlt zumindest immer noch eine Initiative.

Wir wollen Elterninformation auf eine breitere Basis stellen, und dies vor allem durch Vertreter der beruflichen Bildung; denn gerade sie sind berufen, qualifizierte Berufswege und auch Studienmöglichkeiten aufzuzeigen, und zwar unabhängig vom Abitur am allgemeinbildenden Gymnasium. Ich meine, hier besteht eine Riesenchance, Eltern frühzeitig die Sorge zu nehmen, dass gute Bildung ausschließlich über das allgemeinbildende Gymnasium zu erreichen ist. Denn - das wissen wir genau - nicht wenige Anmeldungen dorthin erfolgen, weil Eltern nichts falsch machen wollen und sozusagen vorsorglich das Gymnasium anwählen. Manche sogenannte - wie Sie es nennen - Abschulung könnten wir durch diese Art der besseren Beratung - das ist unser Vorschlag - vermeiden. Das wäre ein Gewinn.

Lassen Sie mich daran erinnern: Gerade die ausbildende Wirtschaft, von der heute mehrfach die Rede war, fordert immer wieder Leistung in der Schule, damit sich Schule nicht vom Leben abkoppelt. Deswegen fordere ich gerade Sie auf der linken Seite dieses Hauses auf: Machen Sie Leistung nicht zu einem Feindbegriff. Bedenken Sie gerade unter sozialen Gesichtspunkten: Alles, was wir in unserer Gesellschaft verteilen wollen, müssen wir erst erwirtschaften. Dazu brauchen wir Leistungsbereitschaft, die eine Schlüsselqualifikation in der Schule sein und bleiben muss. Ich denke, Leistungsbereitschaft ist zusammen mit Solidarität die Voraussetzung für eine humane Gesellschaft. Das sollte uns verbinden. Leistung muss man zunächst aber anerkennen. Das ist wichtig, damit viele in unserer Gesellschaft überhaupt bereit sind, sie für alle - für alle - in der Gesellschaft zu erbringen. Auch das ist Hintergrund unserer Überzeugung und unseres Antrages. Ich bitte Sie um Zustimmung.
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